
ReTyre
Kreislaufschluss für Altreifengummi durch selektive DevulkanisationKautschuke werden im Allgemeinen chemisch quervernetzt (vulkanisiert), um sie für den Einsatz in Reifen nutzbar zu machen. Diese Quervernetzungen sorgen für Beständigkeit, verhindern das Schmelzen des Gummis und beeinflussen die mechanischen Eigenschaften, verhindern aber auch ein Wiedereinschmelzen und Umformen des Materials zum Recycling wie bei Thermoplasten. Im Projekt ReTyre soll ein kontinuierliches, skalierbares Verfahren entwickelt werden, um die Quervernetzung rückgängig zu machen, damit Altreifengummi neu geformt und anschließend wiederum vulkanisiert werden kann. Bisher basiert die Entsorgung von ausgedienten Reifen vor allem auf thermischer Verwertung oder open-loop Recycling, zum Beispiel zur Verwendung in Asphalt oder Sportplätzen. Ein werkstoffliches Recycling wurde noch nicht erreicht, obwohl Altreifen in sehr großen Mengen anfallen. Dies liegt nicht nur an dem notwendigen Bruch der Quervernetzungen (möglichst ohne Polymerketten zu beschädigen), sondern auch an der Komplexität des Materials: Es sind neben Federstahl und Textilanteilen verschiedene Sorten an hoch gefüllten Kautschuken in Reifen enthalten. Stahl und Textil können zwar abgetrennt werden, eine Trennung und Sortierung der Kautschuke wäre allerdings äußerst aufwändig und dadurch wirtschaftlich unattraktiv. Durch einen kontinuierlichen und skalierbaren Reaktivextrusionsprozess soll der zerkleinerte und nicht vorsortierte Gummi (ohne Stahl- und Textilanteil) wieder aufgeschlossen werden. Ein Vermischen mit Neuware mit anschließender erneuter Vulkanisation ohne Verlust der mechanischen Eigenschaften soll den Kreislauf des Materials schließen. An diesem ambitionierten Projekt arbeitet das TCKT gemeinsam mit der KIAS Recycling GmbH, der einzigen Recyclinganlage für Reifen in Österreich.



